Ärztlicher Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“: aktuelle Beschlüsse

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat vier wissenschaftliche Empfehlungen für neue Berufskrankheiten und eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Berufskrankheit Nummer 1301 „Harnblasenkrebs durch aromatische Amine“ beschlossen. Die Empfehlungen lauten:

  • Leukämie durch Butadien
  • Kehlkopfkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Fokale Dystonie bei Instrumentalmusikern

 
Die betroffenen Berufsgruppen sind sehr vielfältig. Leukämie durch die Einwirkung von Butadien kommt insbesondere bei Beschäftigten in der Kunstkautschuk- und der Gummiindustrie vor. Kehlkopfkrebs und Harnblasenkrebs durch PAK betrifft insbesondere Tätigkeiten, in denen Steinkohleteerpechhaltige Produkte verarbeitet oder verwendet werden wie z.B. in der Aluminium- und Gießereiindustrie, tritt aber auch in anderen Berufsgruppen wie z.B. bei Schornsteinfegern oder Hochofenarbeitern auf. Die fokale Dystonie bei Instrumentalmusikern betrifft ausschließlich professionell Musizierende wie z.B. Orchestermusiker oder Musiklehrer.
 
Die wissenschaftliche Stellungnahme zur Berufskrankheit Nummer 1301
erweitert den Kreis der Stoffe und Einwirkungen, die Krebserkrankungen der Harnwege verursachen können, um
Azofarbstoffe (verwendet z.B. zur Einfärbung von Textilien, Leder, Papier, Holz, Lebensmitteln, Kosmetika und Mineralölprodukten),
die Herstellung von Auramin (zur Weiterverwendung beim Färben von z.B. Leder, Jute und Baumwolle),
die Einwirkung permanenter Haarfärbemittel vor dem Jahr 1977 unter den in der Stellungnahme näher beschriebenen Voraussetzungen
 
Mit den Empfehlungen und der Stellungnahme des Sachverständigenbeirats besteht für die Unfallversicherungsträger und Gutachter jetzt eine einheitliche und aktuelle wissenschaftliche Grundlage für die Prüfung der Fälle.
 
Die Empfehlungen sowie die Stellungnahme sind am 26. August 2016 im Gemeinsamen Ministerialblatt veröffentlicht worden. Die vollständigen Texte finden Sie im Anhang unten. Dort finden Sie auch detaillierte Informationen über die betroffenen Berufsgruppen der einzelnen Berufskrankheiten. Weitere Informationen zum Berufskrankheitenrecht allgemein, zu Anerkennungsvoraussetzungen und Leistungsansprüchen sowie zu anderen Berufskrankheiten finden Sie hier.
 
Quelle: Meldung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom 21.09.2016

Neuesten Beiträge

„Rot heißt Reden“

„Roter Urin heißt mit dem Arzt reden“. Auch andere „gelbe Schattierungen“ des Urins geben dem Patienten und dem Arzt konkrete Handlungsanweisungen. Denn mehr als 100.000 Menschen leben aktuell in Deutschland mit Blasenkrebs. Jährlich bekommen zusätzlich mehr als...

Neue ShB-Fallzahlentabelle eingestellt

Wir freuen uns Sie informieren zu können, dass die neue ShB-Fallzahlentabelle jetzt auf unserer Internetseite zu finden ist. Diese ShB-Fallzahlentabelle basiert auf den gesetzlich verfügten und nach einheitlichen Kriterien von allen deutschen Krankenhäusern jährlich...

Tipps der Deutschen Krebshilfe – UV-Schutz und Frühlingssonne

Endlich Frühling! Die Sehnsucht nach Sonne und frischer Luft war selten so groß wie in diesen Tagen. Doch besonders jetzt ist es wichtig, die Haut langsam an die Sonne zu gewöhnen, sich vor intensiver UV-Strahlung zu schützen und Sonnenbrände zu vermeiden, so die Deutsche Krebshilfe.