Studie aus der Schweiz: NAC bzw. ACC bei Krebs

Veröffentlichungsdatum | 6. November 2015 | Reinhard Heise

Aktualisierung: 6. November 2015

Nach einer Studie aus der Schweiz ist es gefährlich für Krebskranke, Acetylstein als Schleimlösemittel zu nehmen:

Kürzlich zeigte die SELECT-Studie, dass die Einnahme von Vitamin E bei älteren Männern die Erkrankungsrate am Prostatakrebs erhöht (JAMA 2011;306: 1549-1556). Die Ergebnisse überraschten, da Vitamin E zu den Antioxidanzien gehört, die die Zellen unter anderem vor einer Schädigung der DNA durch Sauerstoffradikale schützen, deren Folge ein Krebswachstum sein kann.

Antioxidanzien unterscheiden jedoch nicht zwischen gesunden Zellen und Krebszellen, wie das Team um Martin Bergo und Per Lindahl von der Sahlgrenska Universität in Göteborg jetzt zeigt. Die Forscher hatten zunächst Mäuse, die bereits an Lungenkrebs erkrankt waren, mit hohen Dosierungen von Vitamin E und NAC behandelt und festgestellt, dass die beiden Antioxidanzien das Wachstum der Tumore deutlich beschleunigten und die Lebenszeit der Tiere verkürzten.

Zum Thema:

Die nähere Untersuchung von Zellkulturen ergab, dass die beiden Antioxidanzien die Krebszellen vor einer Schädigung schützten. Außerdem verminderten sie die Expression des p53-Proteins. Das p53-Protein ist in den Zellen für die Reparatur der DNA zuständig. Sein Mangel könnte erklären, warum die Antioxidanzien das Wachstum der Lungen­tumoren bei den Versuchstieren steigerten.

Die in den Experimenten verwendeten Dosierungen bewegen sich in dem Bereich von Vitamin-Supplementen, die dem Körper häufig ein Vielfaches der empfohlenen Tages­menge zuführen. Die Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass der Einsatz von antioxidativen Vitaminen zur Krebsprävention ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite könnte es die Entwicklung von Tumorzellen verhindern. Wenn diese aber bereits entstanden sind, könnten die Antioxidanzien das Krebswachstum beschleunigen.

Dass auch N-Acetylcystein das Krebswachstum fördert, gibt zu denken, da NAC häufig als schleimlösendes Mittel bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eingesetzt werden. Bei diesen Patienten handelt es sich häufig um langjährige Raucher, die deshalb ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Der Einsatz von NAC könnte deshalb negative Folgen haben. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sollte nach Ansicht der Autoren dringend untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

Krebs: Antioxidanzien könnten Metastasierung begünstigen

 

Die Gabe von Antioxidanzien verdoppelte in Untersuchungen mit Mäusen die Rate, mit der schwarzer Hautkrebs metastasiert. Das berichten schwedische Forscher im Fachjournal «Science Translational Medicine». Wenn diese Erkenntnisse auf Menschen übertragbar sind, sollten Patienten mit Krebserkrankungen mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin C, E, Carotinoiden und Polyphenolen zurückhaltend sein.

Da freie Radikale nachweislich an der Krebsentstehung beteiligt sind, ging man lange davon aus, dass entsprechend auch Antioxidanzien, die freie Radikale abfangen, vor Krebs schützen. Jetzt mehren sich die Hinweise, dass diese Schlussfolgerung nicht zulässig ist: Schon im vergangenen Jahr konnten Forscher um Professor Dr. Martin Bergö von der Universität Göteborg in ihren Experimenten mit Mäusen zeigen, dass die Gabe von Antioxidanzien die Progression von Lungenkrebs fördert. Diese Ergebnisse veranlassten die Forscher nun die Auswirkung von Antioxidanzien auf die Progression von schwarzem Hautkrebs (malignem Melanom) zu untersuchen. Hierfür verwendeten die Forscher gentechnisch veränderte Mäuse, die spontan Melanome entwickeln, und fütterten einer Hälfte von ihnen das Antioxidans N-Acetylcystein. Bei der Größe und Anzahl der Primärtumore unterschied sich die Antioxidans-Gruppe nicht von der Kontrollgruppe ohne Radikalfänger. Allerdings wies die Antioxidans-Gruppe eine doppelt so hohe Zahl an Metastasen in den Lymphknoten auf, berichten die Forscher. «Im Gegensatz zu den Lungenkrebs-Studien war der Primärtumor nicht betroffen», sagt Bergö in einer Pressemitteilung der Universität. «Aber das Antioxidans verstärkte die Fähigkeit des Tumors zu streuen.»

An Kulturen mit menschlichen Melanoma-Zellen ließen sich diese Ergebnisse bestätigen: Die Zugabe von N-Acetylcystein und einem Vitamin-E-Analogon förderte nicht die Vermehrung der Zellen, aber verbesserte deren Fähigkeit zur Migration und Invasion. Obwohl diese Ergebnisse vorläufig sind und noch bestätigt werden müssen, mahnen die Wissenschaftler zur Vorsicht: Gerade Personen mit einer Krebsdiagnose sollten mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Antioxidanzien enthalten, zurückhaltend sein.