Medizinische Fachtagung zu Blasenkrebs in Lübeck

Veröffentlichungsdatum | 16. Mai 2017 | Bettina Lange

Aktualisierung: 17. Mai 2017

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V. und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein stellen Ergebnisse einer bundesweiten Querschnittsstudie sowie neue operative Behandlungsansätze vor

Der Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V. (ShB) und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) Campus Lübeck haben von Freitag, den 12. Mai bis Sonntag, den 14. Mai eine gemeinsame Fachtagung für an Blasenkrebs Erkrankte in Lübeck ausgerichtet. Ausgewiesene Medizinexperten präsentierten neue Therapiemöglichkeiten sowie Behandlungsansätze der Immunonkologie bei fortgeschrittenem Harnblasenkrebs und berichteten zur Nachsorge.
 
In Deutschland erkranken jedes Jahr 29.480 Menschen an Harnblasenkrebs, darunter 7.210 Frauen und 22.270 Männer. Die Krankheit wird meist sehr spät erkannt und statistisch gesehen mit 72 Jahren diagnostiziert.
 
Dr. Marie Ch. Hupe vom UKSH stellte stellvertretend für das Team die Ergebnisse aus der deutschlandweiten Querschnittsstudie „Darmfunktionsstörungen nach Blasenentfernung“ vor. Dabei handelt es sich weltweit um die größte bekannte Studie dieser Art, die dieses Jahr auch schon auf Fachkongressen in Orlando, Boston und London vorgestellt wurde.
 
Der ShB, die Deutsche ILCO e.V. Bundesverband (Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs) waren an dieser Querschnittsstudie beteiligt. Die Ergebnisse belegen, dass rund vier von zehn Patienten (40 Prozent) nach der Entfernung der Harnblase unter Darmproblemen, wie Blähungen, Durchfall oder einem Gefühl des „Reststuhls nach Stuhlgang“, leiden. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen führen diese auftretenden Probleme auf den Eingriff zurück und klagen insbesondere über eine eingeschränkte Lebensqualität, ein niedrigeres gesundheitliches Empfinden und über Kraftlosigkeit. Die Ergebnisse sollen der Optimierung der postoperativen Behandlung und von Patienten-Schulungsmaßnahmen dienen. Dazu Dr. Hupe: „Es ist daher dringend zu empfehlen, den Patienten vor dem Eingriff über die möglichen langfristigen Folgen aufzuklären.“
 
Dies unterstützt der ShB-Vorsitzende Joachim Weier uneingeschränkt: „Die Diagnose Blasenkrebs ist ein massiver Einschnitt für den Betroffenen und seine Angehörigen. Das Thema Lebensqualität hat daher oberste Priorität und sollte im Sinne des Patienten, auch seitens der behandelnden Ärzte unterstützend begleitet werden.“
 
UKSH-Chefarzt der Urologie Prof. Dr. Axel Merseburger sprach abschließend auf der Veranstaltung zu neuen Behandlungsansätzen bei fortgeschrittenen Blasenkrebs: „Es werden derzeit neue immunonkologisch wirkende Medikamente erforscht, die hinsichtlich der Nebenwirkungen besser verträglich sein sollten als die herkömmlichen Chemotherapien. Gleichzeitig sind es aber keine „Wundermittel“ und zaubern kann kein Arzt.“
 
Joachim Weier fasste die Impulse und die Wirkungen auf den ShB wie folgt zusammen: „Die ausführliche Aufklärung der Patienten vor einer Blasen-OP ist elementar. Dabei muss auch die langfristige Lebensqualität nach dem Eingriff mit dem Patienten intensiv besprochen werden. Das Leben mit Blasenkrebs ist weiterhin lebenswert.“
 


Prof. Dr. Dr. Harald Mischak (mosaiques diagnotics and therapeutics AG), Dr. med. Julian Struck (UKSH Campus Lübeck), Dr. med. Agnieszka Latosinska (Mitarbeiterin von Prof. Dr. Dr. Mischak), Dr. med. Marie Ch. Hupe (UKSH Campus Lübeck), Prof. Dr. Axel S. Merseburger (UKSH Campus Lübeck), Joachim Weier (ShB) (v.l.n.r.)
(Foto: Hartmut Schäfer für den ShB)